Bevor alles verschwindet

von Annika Scheffel

Auf der Suche nach einem neuen Wortkunstwerk, habe ich die Internetseite des Suhrkamp Verlages durchstöbert und dabei dieses Buch entdeckt.
Die Umschlaggestaltung und der Titel sprachen mich auf eigentümliche Weise an und die geheimnisvolle Inhaltsangabe machte mich restlos neugierig. Dies schien mir ein ganz besonderes Buch zu sein.
Als ich den Roman dann endlich in den Händen hielt, konnte ich es kaum mehr erwarten, mit der Lektüre zu beginnen.
Schon nach den ersten Seiten war ich begeistert. Die Geschichte ist spannend und erinnerte mich an meine Kindheit und die Dörfer verschlingende Braunkohle. Meine Mutter hatte mir davon erzählt und dass unser Dorf Glück gehabt hat, weil die Wende kam.
Allein die Vorstellung aus unserem Haus fort zu müssen, in dem schon mein Ururgroßvater gelebt hat und sich so viele Erinnerungen verstecken, hat mir große Angst gemacht und ich fand es furchtbar ungerecht, dass es Menschen gibt, denen so etwas passiert.
In dieser Geschichte müssen die Bewohner eines Ortes irgendwo in einem Tal an einem Fluss wegen eines geplanten Naherholungsgebietes ihre Heimat verlassen und ich empfand beim Lesen genau wie damals, als ich von der Braunkohle erfuhr.
Das Buch erzählt aus Sicht der verschiedenen Bewohner die Zeit von der Ankündigung bis zur endgültigen Räumung und Flutung des Ortes. Jede der Personen versucht auf ihre Art mit der Situation umzugehen oder etwas dagegen zu unternehmen.
Annika Scheffel erzählt lebendig, manchmal überzeichnend und wunderbar skurril und die Geschichte behält so, trotz der über allem liegenden Melancholie des Abschieds, eine Leichtigkeit, die dieses Buch zu einem wahren Lesevergnügen macht.