Der Fuchs und Dr. Shimamura

von Christine Wunnicke

Über Füchse bin ich während meiner literarischen Streifzüge schon einige Male gestolpert. Einmal bunt und skurril, ein andermal geheimnisvoll und dem Verfall preisgegeben und immer ein Symbol für die inneren Zustände des jeweiligen Protagonisten.
Bei diesem kleinen, schön gestalteten Wortkunstwerk ist mir der Fuchs schon beim Lesen des Klappentextes begegnet und ich wollte wissen, was es diesmal mit ihm auf sich hat.
Die Geschichte spielt in Japan und Europa Ende des 19. Jahrhunderts. Der Nervenarzt Dr. Shimamura reist mit seinem Assistenten durch die japanische Provinz um die im heißen schwülen Sommer vom Fuchsgeist befallenen Frauen zu untersuchen. Während er selbst sich gegen die traditionellen Austreibungszeremonien sträubt, ist sein Assistent ein begeisterter Verfechter dieser Praktiken. Eine Frau nach der anderen wird untersucht, bis der Assistent spurlos verschwindet und Dr. Shimamura sich selbst einen Fuchs einfängt.
Er flüchtet mit Hilfe eines akademischen Förderprogramms nach Europa und lernt dort die Psychoanalyse kennen. Zurück in Japan arbeitet er wieder als Nervenarzt, sitzt als von Krankheit gezeichneter Mann in seinem Haus und wartet auf sein Ende. Der Fuchs ist immer mit dabei.
Dr. Shimamura gab es tatsächlich, ob es auch seinen Fuchs gab, ist unklar. Allerdings war dies eine in Japan vorkommende Form der damals so gern bei Frauen diagnostizierten Hysterie.
Das Buch erzählt auf wunderbar humorvolle Weise von den Gegensätzen der damaligen fernöstlichen und westlichen Psychologie, von schwer verständlichen japanischen Riten und ebenso schwer zu begreifenden europäischen Untersuchungsmethoden und von einem Mann, der nicht aus seiner Haut kann und deshalb mit einem Fuchs leben muss.
Eine wunderschöne und poetische Geschichte über das Menschsein.