Gehen, ging, gegangen

von Jenny Erpenbeck

Eine ganze Weile schon lag dieses Wortkunstwerk auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Irgendwann einmal war es mir aufgefallen, der Titel hatte mich neugierig gemacht und nach einem Blick rundherum und hinein und nachdem ich auch den Klappentext gelesen hatte, habe ich das es spontan gekauft. Ein spannendes Thema, aber kein Buch, das mir auf den ersten Blick Bauchkribbeln verursacht hat. Entsprechend lange wartete es nun schon darauf, von mir gelesen zu werden.

Ein Monat in Heidelberg im September, Spätsommer wie auch zu Beginn der Geschichte und eine Stadt mit vielen afrikanischen jungen Männern, war für mich endlich der richtige Moment mich darin zu vertiefen.

Ganz ruhig, fast eintönig fängt es an. Es passiert erst einmal nicht viel, dafür denkt Richard, gerade in den Ruhestand versetzt, sehr viel. Er ist es, um den es geht. Ich habe seine Gedanken erfahren und ihn auf seiner Suche nach Antworten auf seine Fragen nach der Zeit begleitet. Immer mehr hat mich seine Geschichte in ihren Bann gezogen.

Richard geht auf die jungen Männer in der Flüchtlingsunterkunft zu und auf diesem Weg wurde ich mitgenommen. Er zögert, zweifelt und denkt zeitweilig in Klischees, aber er stellt Fragen und erhält Antworten, die auch mich besser verstehen lassen.

Das Buch hat etwas in mir verändert. Die vielen dunkelhäutigen Männer in Heidelberg haben mir ein bisschen Angst gemacht, aber ich habe einen anderen Blick auf diese Menschen bekommen. Weniger Angst, mehr Mitgefühl.
Ein Buch dem es gelingt Denkweisen zu ändern, Ängste abzubauen und einen mutigen und menschlichen Weg des Miteinanders aufzeigt, ist in dieser oft so populistisch geführten Debatte über die Geflüchteten ein wirklicher Lichtblick und etwas besonderes.

Ein wunderbares Wortkunstwerk zu einem aktuellen Thema, das ich Dir mit großer Freude ans Herz legen möchte!