Kleiner Mann – was nun?

von Hans Fallada

Fallada – ein Name, der mir sofort gefallen hat. Schon lange wollte ich einen seiner Romane lesen. Allein durch die Beschäftigung mit der Gegenwartsliteratur habe ich mehr als genug Bücher auf Vorrat und eigentlich keine Zeit für ältere Werke, aber auf diesen Schriftsteller war ich wirklich neugierig.
Leider habe ich bei der Büchersuche die Neuerscheinung mit dem unbearbeiteten Originaltext übersehen – schon vor dem ersten Erscheinen, wurde der Text an einigen Stellen deutlich gekürzt. Deshalb habe ich erst einmal die Normalfassung im Taschenbuchformat gelesen und werde mich bei Gelegenheit der neuen Ausgabe widmen.
Hans Fallada schreibt in diesem Wortkunstwerk nicht von großen Heldentum, sondern von den täglichen Herausforderungen des „kleinen Mannes“ und obwohl 1932 erstmals veröffentlicht, ist die Geschichte erstaunlich zeitlos oder besser gesagt dauerhaft aktuell.
Pinneberg und Lämmchen sind sehr verliebt, verlobt und verheiratet. Ende der 20er Jahre ist allerdings überall die Arbeit knapp und so haben es die Beiden nicht leicht, als kleine Familie glücklich zu sein. Während Pinneberg sich der Willkür seiner Arbeitgeber ausgesetzt sieht, versucht Lämmchen mit dem Wenigen zu wirtschaften und ein schönes Heim zu schaffen. Es kommt, wie es oft passiert in dieser Zeit: Pinneberg wird arbeitslos und Lämmchen wird plötzlich eine ganz neue Rolle zuteil. Ein leichter Frühlingshauch von Feminismus weht sacht durch die Seiten.
Hans Fallada erzählt auf eine feinfühlige, humorvolle Weise und beweist eine große Beobachtungsgabe.
All die vielen Alltäglichkeiten, kleinen Fehler und großen Freuden werden bestimmt auch heute noch von vielen Menschen immer wieder neu erlebt. Kapitalismus in seiner reinsten Form, das Optimieren von Arbeitsabläufen und Minimieren von Angestellten – daran hat sich in den letzten 80 Jahren nichts geändert.
Pinneberg und Lämmchen stehen damals wie heute für all die Alltagshelden, die trotz großer Schwierigkeiten für ein glückliches Leben kämpfen.