Konzert ohne Dichter

von Klaus Modick

Auf den ersten Blick hat mich dieses Wortkunstwerk in seinen Bann gezogen. Was für ein schönes Buch, welch ein poetischer Titel – so oder so ähnlich habe ich gedacht, als ich es inmitten eines hohen Bücherstapels in meinem Lieblingsantiquariat in Heidelberg entdeckte.
Sofort hatte ich große Lust zu erfahren, welche Geschichte sich zwischen den wunderschön gestalteten Buchdeckeln verbirgt.
Die Jahrhundertwende, eine Künstlerkolonie, Freundschaft und Liebe – das hat mich neugierig gemacht.
Beim ersten Herumblättern ist mir aufgefallen, dass dieses Buch von einigen Tagen im Juni berichtet und so habe ich noch zwei Wochen gewartet und erst Anfang Juni mit dem Lesen begonnen.
Wenn die tatsächliche Jahreszeit zu der meiner Lektüre passt, kann ich mich noch viel intensiver in das Geschehen einfühlen. So war es auch bei Konzert ohne Dichter.
Der Frühsommer im Nordwesten Deutschlands breitete sich in mir aus, während um mich herum die nordostdeutschen Linden dufteten. Ich tauchte ein in die weite Moorlandschaft Worpswedes und in die Künstlerseele des Malers Heinrich Vogeler, konnte die Kluft, zwischen dem Wunsch Künstlerisches zu schaffen und eine Kunstfigur zu sein, spüren und war fasziniert von der tiefen Nähe und zugleich großen Fremdheit zwischen dem Maler und seinem Dichterfreund Rilke.
Dieser Roman handelt von einem Gemälde und davon was es zum Ausdruck bringt, von der Fassade der Menschen und ihrem Inneren. Es geht um die Kunst und um die Frage nach deren Sinn. Ist sie Idealisierung, Verzerrung oder genaue Abbildung der Realität? Soll sie erfreuen, bestürzen oder belehren?
Dieses Buch ist selbst ein Kunstwerk, das mit Wörtern Bilder entstehen lässt, sich dabei die Wirklichkeit zum Modell nimmt und mit den Farben der Fantasie erzählt.