Sommer in Brandenburg

von Urs Faes

Ein halbes Jahr in meinem neuen Wohnort Potsdam - Herbst, Winter und Frühling - zu viel zu tun und nicht genügend Zeit zum Einleben, alles unbekannt und neu. Endlich Sommer. Mein erster in Brandenburg.
Bei einer meiner ersten Bummeleien durch die Buchhandlung an der Brandenburger Straße ist mir dieses Wortkunstwerk aufgefallen. Der Titel passte zu meiner Situation und der Klappentext machte mich neugierig.
Der Schweizer Urs Faes schreibt darin so feinfühlig über die wunderschöne unaufgeregte Natur Brandenburgs und hat mich so mit meiner neuen Heimat verbunden und mir beim Einleben geholfen.
Aber nicht nur deshalb ist Sommer in Brandenburg für mich ein ganz besonderes Buch, auch die Liebesgeschichte von Ron und Lissy hat mich sehr bewegt.
Ich habe mir beim Lesen Zeit gelassen, mich mitnehmen lassen in diesen Sommer im Jahr 1938, voll harter Arbeit, Liebesleichtigkeit und bedrückender Angst.
Lissy und Ron, sie eine Wienerin und er aus Hamburg, lernen sich auf einem Landgut in Brandenburg kennen, wo sie sich auf eine mögliche Ausreise nach Palästina vorbereiten. Noch werden diese jüdischen Einrichtungen von den Nazis geduldet, doch die Bedrohung ist deutlich zu spüren. Die Beiden verlieben sich, doch wird diese Liebe immer wieder von den Ereignissen erschüttert. Wer darf gehen? Wer muss bleiben?
Schon seit meiner Schulzeit habe ich mich für jüdisches Leben in Deutschland, für diese an Geist, Witz und Kaufmannsverstand so reiche Kultur und die ungeheuerliche Verblendung der Deutschen im Dritten Reich interessiert. Die Gräultaten der Nationalsozialisten sind das absolute Scheitern alles Menschlichen und doch Menschenwerk. Eine Zeit, die niemals vergessen werden darf und die uns auch heute wieder aufmerksam machen sollte für Populismus, Vorurteile und Feindbilder.
Die Geschichte erzählt von dem Davor und ist mit dem Wissen über das Danach sehr beklemmend. Dies ist keine heitere Sommerliebe, doch gibt es diese leichten oder innigen Momente, die hoffen lassen, auf ein gutes Ende.
Nach der Lektüre war ich mir sicher, lange kein so gutes Buch mehr zu finden.